9. Effizienteste Organisation des Untergangs

„Die älteste je gefundene Islandmuschel starb 2006 mit 507 Jahren, als Wissenschaftler sie aus dem Wasser fischten, um ihr Alter zu bestimmen“
(Weyerer 7.12.2016)

Das gegenwärtige Industriesystem ruiniert mit unerreichter Effizienz, Geschwindigkeit und Einfalt den eigenen Lebensraum. Da stellen sich Fragen: Hat das System des Homo i. tatsächlich so wenig verstanden, oder stellt es sich nur dumm? Warum ist dieses System am eigenen Überleben offensichtlich uninteressiert? Warum ist es absolut lernunfähig? Ist die ignorante Berichterstattung in den Medien über den wahren Zustand des Blauen Planeten nur den materialistischen Interessen ihrer Eigentümer geschuldet? Oder ist die allgemeine Wahrnehmung schon grundsätzlich gestört?

Der Homo i. hat es geschafft, fast alles außerhalb seines Systems zu integrieren, zu dominieren oder zu vernichten. In den tiefsten Tiefseegräben der Erde sind inzwischen die chemischen Schadstoffe nachweisbar, werden die Kleinstlebewesen mit den Giftstoffen des Homo i. verseucht, befinden sich die Abfälle der industriellen Zivilisation.

Wenn man beim Terminus technicus bleiben will: Es gibt gute Gründe, die industrielle Globalisierung als einen Zu-Spät-Kapitalismus zu bezeichnen, der mit großer Verzögerung auf alles reagiert, der alles verzögert und verhindert: um die Geschäfte nicht zu behindern. Nur zu seinem eigenen Untergang wird er notgedrungen rechtzeitig kommen.

Im Jahr 2016  befinden sich sechs Überschall-Flugzeuge in der Entwicklung. Sie sollen mit Geschwindigkeiten zwischen 1600 km/h und 25.000 km/h fliegen – und in Höhen von 15.500 bis 80.000 Metern. Die jeweiligen Erstflüge sind zwischen 2021 und 2045 geplant. Es sind Luxusliner für zwölf bis 75 Passagiere, also nur für die Reichsten – mit entsprechenden ökologischen Folgen. Je prekärer die Lage der Welt wird, umso irrwitziger werden die Anstrengungen des Homo i.

Kommende Generationen werden uns verfluchen, weil in der Jahrtausende zählenden Geschichte der Menschheit wenige Generationen des Homo i. sich einbildeten, ihre Fortbewegung, ihren Lebensstil, ihre Konsumwut rasend und ineffizient bewerkstelligen zu müssen und damit das sich in Millionen Jahren gebildete Energiereservoir zu verfeuern, bis nichts mehr vorhanden ist.

Sollen die nachkommenden Generationen wirklich zu Lost Generations gemacht werden? Weil sie im schlimmsten Fall nichts mehr zum Essen haben werden, nicht einmal mehr heizen und kochen können, keine Verkehrsmittel mehr haben werden?
„Ich war es nicht!“ wird der Homo i. nach dem Zusammenbruch beteuern: „Ich kann nichts dafür.“